Während der Schwangerschaft ist die Vorfreude auf das Baby bei den Eltern sehr groß. Das Kinderzimmer ist bereits eingerichtet, die winzigen Strampler sind gekauft und der Platz in der Kinderkrippe ist schon vorgemerkt. Alles scheint bis ins letzte Detail durchgeplant zu sein. Doch Kinder wachsen schnell und plötzlich taucht die Frage auf, welches Erziehungskonzept eigentlich die richtige ist und wie man das Ganze möglichst fehlerfrei angeht. Vor allem bei dem ersten Kind herrschen bei den meisten Eltern noch viele Unsicherheiten in der Erziehung ihres Nachwuchses.

Unterschiedliche Erziehungskonzepte

Deshalb haben sich über die Jahre viele verschiedene Erziehungskonzepte und -methoden entwickelt. Für die meisten von ihnen gibt es inzwischen sogar eigene Anlaufstellen, in denen sich Eltern über die einzelnen Erziehungskonzepte informieren und sich Hilfe holen können. Von der Montessori- und Waldorf-Pädagogik bis hin zur interkulturellen Erziehung oder der Fröbel-Pädagogik gibt es eine große Menge an Empfehlungen, an denen sich Eltern im Umgang mit ihrem Kind orientieren sollen. Doch genau diese riesige Menge an Informationen kann schnell überfordern und die Frage nach der idealen Erziehung bleibt offen.

Entstehung des Konzepts

Aus diesem Grund entstand bereits in den 1960er und 70er Jahren der Begriff der antiautoritären Erziehung, welcher gleich mehrere Erziehungskonzepte umfasst. Trotz, dass sich diese Erziehung gegen die autoritäre Position von Pädagogen wendet, stützt sie sich auf festgelegte pädagogische Ziele, Normen und Leitbilder. Vor allem die Rechte des Kindes, die Freiheit und die Entwicklungsautonomie stehen in ihrem Fokus.

Merkmale der Erziehung

Demnach sollen Kinder nicht durch Zwänge oder der Dominanz der Eltern und Erzieher eingeschränkt werden, sondern ihre individuelle Persönlichkeit frei entwickeln können. Daher sollen sie von Anfang an die Freiheit haben ihre eigenen Entscheidungen treffen und diese nicht von ihren Eltern vorgegeben bekommen. Dazu gehört jedoch auch, dass sie die mit Konsequenzen ihrer Entscheidungen leben und aus ihnen lernen müssen. Folglich wird die psychische Unabhängigkeit der Kinder gefördert. Und demnach können sie sich zu kreativen, toleranten, freigeistigen, eigenverantwortlichen und selbstständigen Persönlichkeiten entwickeln.

Dementsprechend findet auch die Kommunikation zwischen Eltern und Kindern in der antiautoritären Erziehung auf Augenhöhe statt. Dabei haben die Eltern nicht wie in anderen Modellen die Oberhand über das Kind, sondern das Miteinander ist von gegenseitigem Respekt und Freundlichkeit geprägt. Damit Eltern lernen können, wie sie schwierige Situationen ohne Bestrafungen und mit Einfühlungsvermögen am besten händeln, gibt es inzwischen spezielle Online-Kurse zur gewaltfreien Kommunikation. Wenn die Familie diesen friedliche Umgang richtig umsetzt, können Konflikte im Alltag schneller gelöst und die Bindung zueinander gestärkt werden.

Mögliche Fehlerquellen

Leider gibt es viele Eltern, die das Konzept der antiautoritären Erziehung missverstanden haben. Folglich haben sie das Konzept falsch umgesetzt haben. Denn sie verstehen unter dem Begriff “antiautoritär”, dass dem Kind überhaupt keine Grenzen oder Regeln mehr gesetzt werden. Doch das entspricht nicht dem Sinn dieser Methode. Da Kinder aufgrund ihrer geringen Lebenserfahrung viele Dinge nicht realistisch einschätzen können, sind sie auf Grenzen der Eltern angewiesen. Diese dienen zu ihrem eigenen Schutz. Daher kann “Antiautoritär” vielmehr als “frei von Zwängen, Hierarchien und Gewalt jeglicher Form” bedeuten.

Wachsen Kinder vollständig ohne Grenzen und Regeln auf, können sie zu egoistischen Persönlichkeiten heranwachsen. Dann zeigen viele von ihnen ebenfalls narzisstische Persönlichkeitsstörungen. Zudem haben sie als Erwachsene Probleme damit, sich Autoritäten im Beruf oder im Alltag unterzuordnen. Auch die soziale Kompetenz und das Empathievermögen anderen Menschen gegenüber können in Folge der falschen Erziehung unterentwickelt sein. Dadurch können die Kinder egozentrische Verhaltensweisen aufzeigen, die ohne eine bewusste Selbstreflexion auch im Erwachsenenalter erhalten bleiben.

Fazit zur antiautoritären Erziehung

Vor allem sind Eltern in den ersten Lebensphasen der Kinder gefordert. Der Weg der antiautoritären Erziehung funktioniert vor allem dann, wenn sich die Eltern ihrer Verantwortung gegenüber dem Kind bewusst sind. Dabei sollten sie ihm die Freiheit einräumen, ohne Zwänge oder Einschränkungen aufzuwachsen. Dennoch müssen dem Kind sinnvolle Grenzen und Regeln gesetzt werden, da es zumeist noch nicht über die nötige Lebenserfahrung besitzt, bestimmte Situationen richtig einzuschätzen. Sie dienen vor allem dem Schutz des Kindes und dazu, ihm das Verhalten in der Gesellschaft näherzubringen. Deshalb ist es besonders wichtig, dass Kinder diese auch verstehen und akzeptieren. Somit ist es wichtig, dass Eltern ihnen den Sinn und Hintergrund dieser Grenzen und Verhaltensregeln erklären.

So spielt vor allem die gewaltfreie Kommunikation eine große Rolle. Dabei sollten Erwachsene und Kinder auf Augenhöhe freundlich und verständnisvoll miteinander reden. So lernt das Kind, dass seine Meinungen und Gefühle ernst genommen werden und Konflikte auf eine respektvolle und friedliche Weise gelöst werden. Folglich fördert dieser Umgang eine positive Entwicklung der Autonomie, des Selbstbewusstseins und des Selbstwertgefühls des Kindes. Ebenfalls lernt es anderen Menschen empathisch, respektvoll und verständnisvoll gegenüberzutreten. Gleichzeitig werden die Bindung und das gegenseitige Vertrauen zwischen Eltern und Kind gestärkt und das Kind wird im Laufe seines Lebens dazu in der Lage sein, tiefe Beziehungen und Freundschaften aufzubauen.